Die Daten des Statistischen Hauptamtes (GUS) für das dritte Quartal 2025 zeigen, dass sich die polnische Wirtschaft in einer Phase relativen Gleichgewichts befindet. Es wurden 85.368 neue Unternehmen registriert – nur 27 mehr als im Vorjahr – und 101 Insolvenzen gemeldet, drei weniger als im gleichen Quartal 2024. Diese scheinbare Stabilität in der Zahl aktiver Unternehmen verdeckt jedoch tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft: Der Dienstleistungssektor gewinnt an Bedeutung, während der Einzelhandel und traditionelle Geschäftsmodelle unter dem Druck steigender Kosten und technologischer Umbrüche stehen.
Dienstleistungen als Motor des Unternehmertums
Der größte Anstieg der Neuregistrierungen – um 13,4 % im Jahresvergleich – wurde im Dienstleistungssektor verzeichnet, der mittlerweile für mehr als ein Viertel aller neu gegründeten Unternehmen verantwortlich ist. Besonders dynamisch entwickeln sich professionelle, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie Immobilienverwaltung und Unternehmensdienstleistungen. Dieses Wachstum hält nun schon das zweite Jahr in Folge an und deutet auf einen dauerhaften Trend hin, wonach sich das Unternehmertum in Richtung von Branchen mit höherer Wertschöpfung verlagert. Gleichzeitig nahmen die sogenannten „anderen Bereiche“ – darunter Bildung, Gesundheitswesen und Kultur – um 8,2 % zu, was den Ausbau sozialer und freizeitbezogener Dienstleistungen bestätigt.
Rückgänge im Handel und Bauwesen
Der traditionelle Handel und die Reparatur von Kraftfahrzeugen befinden sich im Rückzug. Die Zahl der Neuregistrierungen in diesem Bereich sank um ganze 22,5 % im Jahresvergleich und setzte damit den im Vorjahr beobachteten Abwärtstrend fort. Ursache dafür sind die zunehmende Konkurrenz durch den E-Commerce, der Kostendruck und sinkende Margen im Einzelhandel. Im Bauwesen, das fast 19 % aller Neuregistrierungen ausmacht, wurde ein leichter Rückgang festgestellt (von 16,5 auf 16,3 Tausend Unternehmen), was mit dem Auslaufen der Infrastrukturinvestitionen und der Unsicherheit auf dem Immobilienmarkt zusammenhängen dürfte. Der moderate Rückgang in der Industrie (von 6,2 auf 6,1 Tausend) spiegelt die schwächere Konjunktur in Europa und die geringeren Kapitalinvestitionen wider.
Dominanz der Einzelunternehmen
Einzelunternehmer bleiben die vorherrschende Form des Unternehmertums in Polen. Im dritten Quartal 2025 machten sie 82,8 % aller Neuregistrierungen aus. Obwohl die Zahl der neuen Einzelunternehmen nur um 0,1 % im Jahresvergleich gestiegen ist, markiert dies nach zwei Jahren des Rückgangs eine symbolische Rückkehr auf den Wachstumspfad. Gesellschaften mit beschränkter Haftung stellten 15,1 % der neuen Unternehmen – 0,6 % weniger als im Vorjahr – was auf eine vorsichtigere Haltung der Investoren bei der Gründung kapitalintensiver Strukturen in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld hinweist. Der Anstieg der einfachen Aktiengesellschaften (von 205 auf 267) deutet auf ein wachsendes Interesse an flexiblen Unternehmensformen bei Start-ups und Technologieunternehmen hin.
Insolvenzen: weniger als im Vorjahr, aber mehr als vor zwei Jahren
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen belief sich auf 101 – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr (104 im Jahr 2024), aber ein Anstieg gegenüber 2023, als 87 Fälle verzeichnet wurden. Die größten Rückgänge bei Insolvenzen gab es im Bauwesen (von 17 auf 10 Unternehmen), im Dienstleistungssektor (von 23 auf 17) und im Informations- und Kommunikationsbereich (Rückgang um 3). Gleichzeitig stiegen die Insolvenzen im Handel und bei der Fahrzeugreparatur deutlich an – von 19 auf 29 Fälle – sowie in der Industrie, wo sie von 26 auf 28 zunahmen. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Branchen mit höherer Energie- und Rohstoffabhängigkeit weiterhin Schwierigkeiten haben, ihre finanzielle Stabilität aufrechtzuerhalten.
Veränderungen in der rechtlichen Struktur der Insolvenzen
Die meisten Insolvenzen – insgesamt 78 – betrafen Gesellschaften mit beschränkter Haftung (sp. z o.o.) und erreichten damit wieder das hohe Niveau des Vorjahres, ohne jedoch weiter anzusteigen. Rückgänge wurden bei Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften beobachtet, während die Zahl der Insolvenzen von Einzelunternehmen auf 11 stieg (nach 6 im Vorjahr). Dies zeigt, dass Kleinstunternehmer anfälliger für Marktschwankungen sind, insbesondere in margenschwachen und wettbewerbsintensiven Branchen. Das Fehlen von Insolvenzen bei einfachen Aktiengesellschaften deutet darauf hin, dass dieses Marktsegment noch jung ist und sich in der Wachstumsphase befindet.
Fazit: scheinbares Gleichgewicht, tiefe Transformation
Die Gesamtsituation im dritten Quartal 2025 kann als Stabilisierung beschrieben werden, doch strukturell ist eine deutliche Transformation sichtbar. Der Dienstleistungssektor und professionelle Tätigkeiten werden zum wichtigsten Motor des neuen Unternehmertums, während Handel und Teile der Industrie weiterhin unter Kosten- und Digitalisierungsdruck stehen. Die stabile Zahl der Registrierungen bei moderatem Insolvenzgeschehen deutet darauf hin, dass sich die Unternehmer an ein neues makroökonomisches Umfeld anpassen, in dem Flexibilität, Automatisierung und Innovation entscheidend sind.
In den kommenden Quartalen wird der Zustand der Unternehmen weniger von der Zahl der Neugründungen abhängen, sondern vielmehr von ihrer Beständigkeit und ihrer Fähigkeit, in einem Umfeld globaler Unsicherheit Mehrwert zu schaffen. Die polnische Wirtschaft wird zunehmend diversifiziert, und die GUS-Daten bestätigen, dass der strukturelle Wandel des Unternehmertums bereits in vollem Gange ist.
Tabelle 1. Dynamik der Unternehmensregistrierungen und Insolvenzen im dritten Quartal 2025 (Jahresvergleich)
| Wirtschaftssektor (PKD-Sektionen) | Registrierungen 2024 (III. Quartal) | Registrierungen 2025 (III. Quartal) | Veränderung J/J (%) | Insolvenzen 2024 (III. Quartal) | Insolvenzen 2025 (III. Quartal) | Veränderung J/J (%) | Analytischer Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Insgesamt | 85 341 | 85 368 | +0,03% | 104 | 101 | –2,9% | Stabile Indikatoren – leichter Anstieg der Registrierungen und Rückgang der Insolvenzen. |
| Industrie (B–E) | 6 228 | 6 098 | –2,1% | 26 | 28 | +7,7% | Leichter Rückgang der Aktivität; Kostendruck und geringere Nachfrage aus der EU. |
| Bauwesen (F) | 16 472 | 16 318 | –0,9% | 17 | 10 | –41,2% | Abkühlung des Marktes nach vorherigen Anstiegen; weniger Insolvenzen dank sinkender Materialkosten. |
| Handel und Fahrzeugreparatur (G) | 13 315 | 10 314 | –22,5% | 19 | 29 | +52,6% | Stärkster Rückgang der Registrierungen und höchster Anstieg der Insolvenzen – Druck durch E-Commerce und Kosten. |
| Transport und Lagerwesen (H) | 5 447 | 5 281 | –3,0% | 8 | 10 | +25,0% | Sektor unter Druck durch Kraftstoffkosten und geringere Auslandsnachfrage. |
| Beherbergung und Gastronomie (I) | 2 959 | 2 830 | –4,4% | 2 | 3 | +50,0% | Rückgang der Aktivität – hohe Energiepreise und saisonale Abhängigkeit. |
| Information und Kommunikation (J) | 7 031 | 6 868 | –2,3% | 6 | 3 | –50,0% | Stabiles Niveau; höhere Effizienz verringert Zahl der Insolvenzen. |
| Dienstleistungen (K–N) | 18 952 | 21 493 | +13,4% | 23 | 17 | –26,1% | Größter Anstieg der Registrierungen; professionelle und geschäftliche Dienstleistungen wachsen weiter. |
| Sonstige Bereiche (P–S, ohne 94) | 14 937 | 16 166 | +8,2% | 3 | 1 | –66,7% | Wachstum in Bildung, Gesundheitswesen und Kultur; Verbesserung der finanziellen Stabilität. |







