Der Außenhandel Polens im Zeitraum Januar–September 2025 – stabile Exporte, steigende Importe und eine Verschiebung der Handelspartnerstruktur
Die Daten des Statistischen Hauptamtes (Główny Urząd Statystyczny) für den Zeitraum Januar–September 2025 zeigen deutliche Veränderungen in Struktur und Dynamik des polnischen Außenhandels. Das Wachstum der Importe, die moderate Entwicklung der Exporte sowie das erneute Auftreten eines negativen Warenhandelssaldos weisen auf eine veränderte globale Konjunktur und einen steigenden Bedarf der polnischen Wirtschaft an ausländischen Produkten hin.
Der gesamte Warenverkehr erreichte:
- Exporte: 1 143,0 Mrd. PLN
- Importe: 1 162,6 Mrd. PLN
- Saldo: –19,6 Mrd. PLN
Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2024 verzeichneten die Exporte einen moderaten Anstieg von 0,8%, während die Importe deutlich stärker zulegten – um 3,4%.
Exporte und Importe in US-Dollar und Euro – schwächeres Saldo trotz wachsender Volumina
Umgerechnet in die wichtigsten Weltwährungen ergibt sich:
- Export (USD): 299,0 Mrd. USD (+4,9% j/j)
- Import (USD): 304,1 Mrd. USD (+7,5% j/j)
- Saldo: –5,2 Mrd. USD (im Vorjahr noch ein Überschuss von +2,4 Mrd. USD)
- Export (EUR): 269,6 Mrd. EUR (+2,6% j/j)
- Import (EUR): 274,2 Mrd. EUR (+5,2% j/j)
- Saldo: –4,6 Mrd. EUR (im Vorjahr +2,1 Mrd. EUR)
Die stärkere Dynamik der Importe gegenüber den Exporten sowie die zunehmende Binnennachfrage führen zu einer Verschlechterung der Handelsbilanz in Fremdwährungsrechnung.
Geografische Struktur: größere Rolle der EU im Export, steigende Importe von außerhalb Europas
Der Anteil der entwickelten Länder bleibt dominierend:
Exporte
- Entwickelte Länder: 87,2% (darunter die EU mit 74,8%)
- Entwicklungsländer: 8,2%
- Mittel- und Osteuropa: 4,6%
Importe
- Entwickelte Länder: 64,6% (EU 52,7%)
- Entwicklungsländer: 33,7%
- Mittel- und Osteuropa: 1,7%
Der rückläufige Importanteil der EU bei gleichzeitig wachsendem Anteil der Entwicklungsländer zeigt, dass Polen zunehmend in asiatischen Ländern und globalen Produktionszentren einkauft.
Handelssalden – hohe Überschüsse mit entwickelten Ländern, große Defizite mit Entwicklungsregionen
- Entwickelte Länder: +245,9 Mrd. PLN
- EU-Länder: +241,6 Mrd. PLN
- Mittel- und Osteuropa: +32,9 Mrd. PLN
- Entwicklungsländer: –298,5 Mrd. PLN (vor allem Asien)
Diese Struktur ist typisch für europäische Volkswirtschaften – eine starke Exportspezialisierung gegenüber den Märkten der EU und der USA sowie ein wachsender Import industrieller Komponenten aus Asien.
Wichtigste Handelspartner – Deutschland bleibt dominierend, aber das Wachstum lässt nach
Exporte – Top 10
- Deutschland – 309,4 Mrd. PLN (27,1% der Exporte)
- Tschechien – 70,3 Mrd. PLN
- Frankreich – 69,7 Mrd. PLN
- Vereinigtes Königreich – 60,2 Mrd. PLN
- Niederlande – 52,5 Mrd. PLN
- Italien – 51,1 Mrd. PLN
- Ukraine – 40,5 Mrd. PLN
- USA – 36,7 Mrd. PLN
- Spanien – 33,6 Mrd. PLN
- Slowakei – 30,8 Mrd. PLN
Importe – Top 10
- Deutschland – 224,4 Mrd. PLN (19,3% der Importe)
- China – 176,3 Mrd. PLN (15,2%)
- USA – 57,1 Mrd. PLN
- Italien – 53,7 Mrd. PLN
- Niederlande – 45,0 Mrd. PLN
- Frankreich – 39,0 Mrd. PLN
- Tschechien – 37,5 Mrd. PLN
- Südkorea – 32,6 Mrd. PLN
- Spanien – 25,2 Mrd. PLN
- Belgien – 24,8 Mrd. PLN
Deutschland
- Rückgang des Exportanteils um 0,1 Prozentpunkte.
- Rückgang des Importanteils um 0,3 Prozentpunkte.
- Saldo mit Deutschland: +85 Mrd. PLN, etwas weniger als im Vorjahr.
Tschechien
Rekordhohes positives Saldo: +32,8 Mrd. PLN bei einem stabilen Exportanteil von 6,2%.
Importe nach Versendungsland – stärkere Position Deutschlands und der Niederlande
Beim Import, berechnet nach dem Versendungsland (wodurch Logistikzentren erfasst werden):
- steigt der Anteil Deutschlands um 6,2 Prozentpunkte
- nimmt der Anteil der Niederlande um 2,9 Prozentpunkte zu
- sinkt der Anteil Chinas um 5,6 Prozentpunkte
- geht der Anteil der USA um 1,3 Prozentpunkte zurück
Dies ist Ausdruck der wachsenden Bedeutung europäischer Logistik-Hubs sowie der Verlagerung von Teilen der Lieferketten von Asien nach Mittel- und Westeuropa.
Warenstruktur nach SITC – Industrie unter Druck, Nahrungsmittel und Chemie stabil
Exporte – Zuwächse in fünf Kategorien
Die größten Anstiege wurden verzeichnet bei:
- nicht im SITC klassifizierten Waren: +29%
- Nahrungsmitteln und lebenden Tieren: +8,5%
- verschiedenen Industrieerzeugnissen: +2,7%
- Chemikalien: +1,6%
- Getränken und Tabak: +0,2%
Rückgänge gab es bei:
- Brennstoffen: –21,7%
- Ölen und Fetten: –13,8%
- nicht essbaren Rohstoffen: –6%
- Industriegütern nach Material: –1%
- Maschinen und Transportausrüstungen: –0,1%
Importe – Zuwächse in gleich acht Kategorien
Am stärksten stiegen:
- nicht klassifizierte Waren: +44,1%
- verschiedene Industrieerzeugnisse: +11,8%
- Nahrungsmittel und lebende Tiere: +9,1%
- Maschinen und Ausrüstungen: +2,2%
Dagegen gingen die Importe von Brennstoffen (–13,5%) sowie von Ölen und Fetten (–2,2%) zurück.
Interpretation: Was bedeuten die Daten für das Jahr 2025?
1. Die Wirtschaft zieht an – die Importe wachsen schneller als die Exporte
Die höheren Importe sind ein Signal für die Belebung der Binnennachfrage, sowohl auf der Investitions- als auch auf der Konsumseite.
2. Die Verschlechterung des Saldos ist typisch für eine Wachstumsphase
Das negative Saldo von –19,6 Mrd. PLN ist nicht überraschend: steigende Produktion und Investitionen erhöhen den Bedarf an importierten Komponenten und Maschinen.
3. Die Rolle Chinas und Südkoreas nimmt zu
Vor allem beim Import von elektronischen Komponenten, Batterien, Maschinen und Industrieprodukten.
4. Polens starke Wettbewerbsposition in der EU bleibt bestehen
Der hohe Überschuss gegenüber den entwickelten Ländern (über 240 Mrd. PLN) bestätigt die starke Position der polnischen Exporte.
5. Der rückläufige Anteil von Brennstoffen verbessert die Qualität der Handelsstruktur
Die geringere Abhängigkeit von Energierohstoffimporten sowie sinkende Brennstoffpreise wirken sich positiv auf die Handelsbilanz aus.






