Die Verbraucherlaune in Polen im November 2025 zeigte ein gemischtes Bild – einerseits verbesserte sich die Bewertung der aktuellen Lage in den Haushalten, andererseits verschlechterten sich die Erwartungen für die Zukunft. Die Daten des Statistischen Hauptamtes (GUS) zeigen, dass Verbraucher deutlich auf wirtschaftliche, inflationäre und geopolitische Veränderungen reagieren und ihre Einschätzungen ein wichtiger Indikator für die künftige Konsumdynamik sind.
Laut dem Bericht des GUS stieg der aktuelle Verbraucherindex (BWUK) im Monatsvergleich um 1,0 Prozentpunkt auf –9,9. Dies bedeutet eine Verbesserung der Einschätzungen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage der Haushalte und des Landes. Gleichzeitig fiel der vorauslaufende Verbraucherindex (WWUK) um 0,9 Prozentpunkt auf –7,5, was auf eine größere Vorsicht der Verbraucher hinsichtlich der wirtschaftlichen Zukunft hindeutet.
1. Verbesserung der aktuellen Einschätzungen – detaillierte Analyse des BWUK
Der BWUK beschreibt synthetisch die aktuellen Konsumtrends und basiert auf fünf Komponenten, die die finanzielle Situation der Haushalte, die wirtschaftliche Lage des Landes und die Kaufneigung umfassen. Im November 2025 verbesserten sich die meisten dieser Einschätzungen.
1.1. Die wichtigsten Veränderungen der BWUK-Komponenten
Gemäß der beigefügten Tabelle (Tabelle 1, S. 2–3 des Dokuments):
- die Einschätzung der Möglichkeit, wichtige Anschaffungen zu tätigen, stieg um 2,4 Prozentpunkte,
- die Einschätzung der zukünftigen finanziellen Lage des Haushalts verbesserte sich um 2,1 Prozentpunkte,
- die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Landes stieg um 1,4 Prozentpunkte,
- die einzige Komponente, die sich verschlechterte, war die Einschätzung der aktuellen finanziellen Lage des Haushalts – ein Rückgang um 2,0 Prozentpunkte.
Diese Veränderungen deuten darauf hin, dass Verbraucher eine größere Stabilität auf dem Waren- und Dienstleistungsmarkt wahrnehmen und ihren Kaufkraftpotenzial positiv einschätzen, jedoch gleichzeitig mit Herausforderungen im aktuellen Haushaltsbudget konfrontiert sind.
1.2. BWUK im Vergleich zu den Vormonaten
Bemerkenswert ist, dass der BWUK im November um 7,2 Prozentpunkte höher lag als im Vorjahresmonat 2024. Dies zeigt eine anhaltende Verbesserung der Stimmung und eine deutliche Umkehr der negativen Tendenzen aus den Jahren 2022–2023.
Tabelle 1. BWUK – ausgewählte historische Daten (in %)
| Monat | BWUK | Veränderung m/m | Veränderung r/r |
|---|---|---|---|
| IX 2025 | –8,3 | +3,8 | +9,4 |
| X 2025 | –10,9 | –2,6 | +4,9 |
| XI 2025 | –9,9 | +1,0 | +7,2 |
Quelle: eigene Berechnung auf Basis von GUS-Daten.
Der Anstieg im November ist besonders relevant, da er mit der Vorweihnachtszeit zusammenfällt – einem Zeitraum traditionell erhöhter Konsumausgaben.
1.3. Wie beurteilen Verbraucher ihre Kaufmöglichkeiten?
Aus den GUS-Daten geht hervor, dass der Indikator für wichtige Konsumgüter am stärksten zugenommen hat. Der Anstieg um 2,4 Prozentpunkte deutet auf Folgendes hin:
- rückläufigen Inflationsdruck,
- verbesserte Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen,
- ein stärkeres Gefühl wirtschaftlicher Stabilität.
Diagramm 1 im Dokument (S. 3) zeigt zudem eine deutliche Erholung aller BWUK-Komponenten im Vergleich zum konsumtionsschwachen Jahr 2023.
2. Verschlechterung der Zukunftserwartungen – Rückgang des WWUK
Der vorauslaufende Verbraucherindex (WWUK) fiel im November auf –7,5, was auf eine abwartende Haltung der Verbraucher hinsichtlich der kommenden 12 Monate hindeutet.
2.1. Was verschlechterte die Zukunftserwartungen?
Besonders ins Gewicht fielen:
- erwarteter Anstieg der Arbeitslosigkeit – Rückgang der Bewertung um 4,7 Prozentpunkte,
- verschlechterte Einschätzungen der zukünftigen Sparmöglichkeiten – Rückgang um 1,9 Prozentpunkte.
Dies zeigt, dass Verbraucher trotz einer stabileren Gegenwart Risiken auf dem Arbeitsmarkt und geringere Möglichkeiten zum Aufbau finanzieller Reserven befürchten.
2.2. Komponenten, die sich verbessert haben
Ähnlich wie beim BWUK verbesserten sich einige Zukunftskomponenten:
- erwartete finanzielle Lage des Haushalts (+2,1 p.p.),
- erwartete wirtschaftliche Lage des Landes (+0,9 p.p.).
Verbraucher nehmen also positive makroökonomische Signale wahr, haben aber Sorgen bezüglich des Arbeitsmarktes.
2.3. Jahresvergleich WWUK
Der WWUK lag im November 2025 um 4,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahreszeitraum.
Tabelle 2. WWUK – ausgewählte Daten (in %)
| Monat | WWUK | Veränderung m/m | Veränderung r/r |
|---|---|---|---|
| IX 2025 | –4,3 | +2,0 | +11,3 |
| X 2025 | –6,6 | –2,3 | +5,4 |
| XI 2025 | –7,5 | –0,9 | +4,1 |
Quelle: eigene Berechnung nach GUS.
3. Geopolitische Lage und Verbraucherstimmung
Der GUS-Anhang enthält detaillierte Daten zum Einfluss des Krieges in der Ukraine auf die Verbraucherlaune. Im November 2025 zeigt sich ein deutlicher Rückgang dieser Wahrnehmung.
3.1. Wie bewerten Befragte den Einfluss des Krieges?
Nach Tabelle 1 (S. 9):
- 12,1 % sehen einen starken Einfluss (Rückgang m/m),
- 43,5 % einen moderaten Einfluss,
- 44,4 % keinen Einfluss.
Mehr als die Hälfte der Befragten sieht also keine direkte Auswirkung des Konflikts auf ihr Konsumverhalten.
3.2. Sorge vor Arbeitsplatzverlust
Zum Thema Arbeitsmarkt:
- 2,2 % der Beschäftigten haben starke Sorgen,
- 11 % halten Arbeitsplatzverlust für möglich,
- 31 % eher nicht,
- 50,3 % haben keine Sorge.
Dies bestätigt ein hohes Vertrauen in die Stabilität des polnischen Arbeitsmarktes.
3.3. Bewertung wirtschaftlicher und staatlicher Risiken
Im November 2025 wurden folgende Einschätzungen abgegeben:
| Art des Risikos | Hoch | Mittel | Gering | Kein Risiko |
|---|---|---|---|---|
| Landeswirtschaft | 27,3 % | 44,1 % | 22,2 % | 6,4 % |
| Persönliche Finanzen | 5,7 % | 34,1 % | 33,8 % | 26,4 % |
| Souveränität und Unabhängigkeit Polens | 29,6 % | 41,4 % | 20,3 % | 8,7 % |
Die größten Sorgen betreffen die Souveränität und die wirtschaftliche Lage des Landes.
4. Langfristige Trends – wie fügt sich November 2025 in den breiteren Kontext ein?
4.1. Rückkehr des Optimismus nach den Krisenjahren 2020–2022
2020–2022 waren von rekordtiefen Verbraucherwerten geprägt.
2022 lagen BWUK bei –39,8 und WWUK bei –29,5 – historisch niedrige Werte.
Seit 2023 verbessert sich die Stimmung kontinuierlich.
4.2. Vorsichtige Rückkehr zur Konsumfreude
Diagramme (S. 3–5) zeigen:
- die Kaufneigung wächst schneller als die finanzielle Lage,
- die wirtschaftlichen Einschätzungen verbessern sich, aber nicht proportional zum Anstieg der Reallöhne,
- Sparneigung bleibt schwach.
Haushalte konsumieren wieder mehr – jedoch vorsichtig.
5. Strukturanalyse – welche Indikatoren reagieren am stärksten?
5.1. „Schnellste“ BWUK-Komponenten
- wirtschaftliche Lage des Landes (12 Monate zurück),
- Möglichkeit wichtiger Anschaffungen,
- finanzielle Lage des Haushalts (12 Monate voraus).
Diese reagieren stark auf:
- Inflation,
- Energiepreise,
- Arbeitsmarktentwicklung,
- Regierungsentscheidungen zu Steuern und Leistungen.
5.2. „Schnellste“ WWUK-Komponenten
- Erwartungen zur Arbeitslosigkeit,
- Erwartungen zu Sparmöglichkeiten,
- wirtschaftliche Lage des Landes (12 Monate voraus).
Schwankungen in den Erwartungen können ein Frühindikator für reale Konsumveränderungen sein.







