Der November 2025 zeichnet das Bild einer Wirtschaft, die sich in einer Phase des Gleichgewichts befindet, jedoch ohne klare Wachstumsimpulse. Die Daten des Statistischen Hauptamtes (GUS) weisen eindeutig auf eine Stabilisierung der meisten Konjunkturindikatoren hin, allerdings erfolgt diese Stabilisierung auf einem relativ niedrigen Niveau. In vielen Sektoren dominieren Vorsicht, eine begrenzte Risikobereitschaft und eine zurückhaltende Investitionsplanung. Gleichzeitig sind in ausgewählten Bereichen – vor allem in den Dienstleistungs- und Finanzsektoren – Anzeichen verhaltenen Optimismus sichtbar, die auf verbesserte aktuelle Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit zurückzuführen sind.
In der Wirtschaft zeichnen sich damit zwei parallele Dynamiken ab. Die erste betrifft Sektoren, die besonders sensibel auf Kosten, Nachfrage und operative Faktoren reagieren – dort bleiben die Stimmungslagen deutlich schwächer. Die zweite umfasst hochwertige Dienstleistungen und den Finanzsektor, die eine bessere Einschätzung der aktuellen Lage verzeichnen und damit ihre strukturelle Widerstandsfähigkeit gegenüber Konjunkturschwankungen bestätigen.
Verarbeitendes Gewerbe: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Im verarbeitenden Gewerbe liegt der Indikator für das allgemeine Geschäftsklima bei –7,9, was eine minimale, aber spürbare Verbesserung gegenüber Oktober bedeutet, als der Wert noch leicht niedriger war (–8,0). Diese geringe Veränderung deutet darauf hin, dass sich der Sektor einem kurzfristigen Gleichgewicht nähert, in dem die Unternehmen weder eine weitere Verschlechterung verzeichnen noch einen klaren Erholungssignal erkennen. Die diagnostische Komponente zeigt eine leichte Verbesserung der Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Unternehmen, während die prognostische Komponente moderat pessimistisch bleibt. Das bedeutet, dass der Sektor in den kommenden Monaten mit einer leichten Abschwächung der Aktivität rechnet.
Hervorzuheben ist, dass die Struktur der Unternehmensantworten zu Investitionen diese Vorsicht bestätigt. Mehr als 44 % der Unternehmen geben an, ihre Investitionen auf dem Niveau des Vorjahres zu halten, während 32,2 % einen Rückgang erwarten. Gleichzeitig planen 23,5 % eine Erhöhung der Investitionsausgaben, was darauf hindeutet, dass ein Teil der Unternehmen die Phase der Stabilisierung nutzt, um Produktionslinien zu modernisieren oder Maschinen anzuschaffen. Triebfeder dieser Maßnahmen ist die Steigerung der Effizienz, nicht die Expansion.
Bauwirtschaft: Verschlechterung der Stimmung und operativer Druck
In der Bauwirtschaft fällt der Konjunkturindikator auf –8,9 und macht diesen Sektor damit zu einem der pessimistischsten im November. Niedrigere Bewertungen betreffen sowohl die aktuelle Lage der Unternehmen als auch die Erwartungen für die kommenden Monate. Die Unternehmen berichten unter anderem von steigenden Materialkosten, Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Arbeitskräften sowie von Unsicherheit hinsichtlich des zukünftigen Auftragsniveaus.
In den Investitionsdaten sticht die Bauwirtschaft durch einen sehr hohen Anteil von Unternehmen hervor, die keine Ausweitung ihrer Investitionen planen – ganze 58,2 % gehen von einer Beibehaltung des bisherigen Niveaus aus, während 30,5 % mit Kürzungen rechnen. Nur 11,3 % der Unternehmen geben an, ihre Investitionsausgaben erhöhen zu wollen. In der Investitionsstruktur dominieren der Erwerb von Transportmitteln und Baumaschinen, während Investitionen in F&E nur einen minimalen Anteil ausmachen. Das Bild der Bauwirtschaft ist somit in sich stimmig: Der Sektor arbeitet unter Kostendruck, bei begrenzter Nachfrage und einer konservativen Kapitalpolitik.
Groß- und Einzelhandel: Stabilisierung im Schatten schwächerer Nachfrage
Im Großhandel liegt der Indikator bei –0,2, was eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vormonat bedeutet. Dies signalisiert eine Beruhigung der Lager- und Logistiksituation sowie eine Stabilisierung der Bestellungen von Geschäftspartnern. Dennoch verbleibt der Großhandel im leicht negativen Bereich, was darauf hinweist, dass die Nachfragedynamik – obwohl besser als noch vor einigen Monaten – noch nicht stark genug ist, um eindeutig positive Werte zu erreichen.
Der Einzelhandel verharrt bei –1,7, was bestätigt, dass der Konsum der privaten Haushalte sich auf einem moderaten Niveau stabilisiert, jedoch keine kräftigen Wachstumsimpulse erzeugt. Dass sich die Einzelhandelsumsätze nahezu unverändert halten, ist einerseits auf eine verbesserte Liquidität in einigen Haushalten zurückzuführen, andererseits aber auf anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher nach einer Phase intensiver Preisänderungen.
Im Investitionsbereich zählen Groß- und Einzelhandel zu den Sektoren mit dem höchsten Anteil an Unternehmen, die den Status quo beibehalten. In beiden Bereichen planen über 58 % der Unternehmen keine Änderung des Investitionsniveaus, während lediglich rund 13 % eine Ausweitung vorsehen. Investitionen konzentrieren sich vor allem auf Computer- und IT-Ausstattung sowie auf die Modernisierung logistischer Prozesse. Das zeigt eindeutig, dass sich der Handel auf Optimierung statt auf die Ausweitung von Vertriebsnetzen konzentriert.
Verkehr und Lagerei: schwächere Stimmung, stabile Tätigkeit
Der Sektor Verkehr und Lagerei erreicht einen Indikator von –2,5, was bedeutet, dass die Unternehmen ihre aktuelle Situation moderat negativ einschätzen. Der Kostendruck im Zusammenhang mit Kraftstoffen, Flottenunterhalt und Löhnen bleibt sichtbar. Die diagnostische Komponente ist positiv, was darauf hinweist, dass die meisten Unternehmen operativ gut zurechtkommen, während die prognostische Komponente auf einen Mangel an Optimismus in Bezug auf künftige Auftragsvolumina hindeutet.
Bei den Investitionen gehört der Verkehrssektor zu den zurückhaltendsten Branchen. 59,7 % der Unternehmen geben an, ihre Investitionen aufrechtzuerhalten, 24,8 % erwarten einen Rückgang, und nur 15,5 % planen eine Ausweitung. Auffällig ist, dass dieser Sektor den höchsten Anteil an Investitionen in Transportmittel aufweist (42,4 % der Unternehmen wählen diese Kategorie), was verdeutlicht, dass selbst unter vorsichtigen Rahmenbedingungen die Erneuerung der Flotte für die operative Tätigkeit unerlässlich ist.
Beherbergung und Gastronomie: erste klar positive Signale
Die Beherbergungs- und Gastronomiebranche zählt im November zu den wenigen Sektoren, die beim Geschäftsklima deutlich auf die positive Seite wechseln – ein Wert von +0,7 signalisiert eine Verbesserung sowohl der aktuellen Einschätzungen als auch der Erwartungen. Die Unternehmen berichten von steigenden Auslastungsquoten, stabilisierenden Preisen und einer Belebung des touristischen Verkehrs. Das ist besonders wichtig, da dieser Sektor stark vom Verbrauchervertrauen abhängt.
Zugleich zeigt sich diese Branche bei Investitionen besonders zurückhaltend. 33,4 % der Unternehmen rechnen mit einem Rückgang der Investitionen, und über 44 % haben keinerlei Investitionspläne. In der Praxis bedeutet dies, dass der Sektor seine laufenden Aktivitäten wiederaufbaut, Entwicklungsprojekte aber aufschiebt und sich auf Liquiditätssicherung und Risikoreduzierung konzentriert.
Information und Kommunikation: gute Ergebnisse, aber nicht ohne Einschränkungen
Im Sektor Information und Kommunikation bestätigt ein Indikator von +9,4, dass diese Branche weiterhin zu den stabilsten und widerstandsfähigsten Bereichen der Wirtschaft zählt. Die Unternehmen schätzen die aktuelle Lage als günstig ein, wenngleich eine leichte Abschwächung der Erwartungsdynamik zu beobachten ist. Dies ist unter anderem auf steigende Technologiekosten, das verlangsamte Tempo digitaler Investitionen in einigen Unternehmen und eine geringere Bereitschaft zur Umsetzung neuer IT-Projekte zurückzuführen.
Bei den Investitionen entfällt in diesem Sektor ein großer Anteil auf Computer- und Telekommunikationsausrüstung, während Investitionen in Transportmittel und physische Infrastruktur minimal bleiben. Das bestätigt die fortschreitende Digitalisierung der Dienstleistungen sowie den Ausbau technologischer Kompetenzen in den Unternehmen.
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen: der stärkste Sektor im November
Der Finanz- und Versicherungssektor erreicht einen Indikator von +24,4 – den höchsten Wert unter allen betrachteten Branchen und den einzigen, der sich einem vollständigen Gleichgewicht zwischen aktuellen Einschätzungen und langfristigen Durchschnittswerten annähert. Der Sektor beurteilt die aktuelle Lage als sehr gut, und die diagnostische Komponente in Höhe von 42,7 bestätigt, dass die Finanzinstitute unter besonders günstigen operativen Bedingungen arbeiten.
Bei den Investitionen zählt dieser Sektor zu den aktivsten, mit einem klaren Schwerpunkt auf der Modernisierung der technologischen Infrastruktur, von IT-Systemen, Datensicherheitslösungen und Analysewerkzeugen. Gleichzeitig weist er den geringsten Anteil an Unternehmen auf, die Investitionskürzungen planen. Der Sektor profitiert von stabilen Einnahmen und einer wachsenden Nachfrage nach Finanz- und Versicherungsprodukten.
Schlussfolgerungen und wirtschaftliche Perspektiven für 2026
Das im November vom Statistischen Hauptamt präsentierte Bild der Konjunktur zeigt eine Wirtschaft in einem Zustand relativen Gleichgewichts, doch handelt es sich um ein defensives Gleichgewicht, dem es an Dynamik und klaren Signalen einer Trendwende mangelt. Die Unternehmen treten in eine Phase der Stabilisierung ein: Sie verfolgen keine aggressiven Wachstumsstrategien, halten ihre operative Tätigkeit jedoch auf einem sicheren Niveau. Besonders deutlich wird dies in den Investitionsdaten, die auf eine überwiegend defensive statt offensive Haltung hinweisen. Die Stimmung der Unternehmer ist keineswegs dramatisch schlecht, spiegelt jedoch Vorsicht wider, die sich aus hohen Kosten, einem unsicheren regulatorischen Umfeld und der Erwartung einer stabilisierten Nachfrage ergibt.
Die strategischen Schlussfolgerungen aus der November-Konjunktur betreffen daher nicht nur den Zustand einzelner Sektoren, sondern auch die generelle Fähigkeit der Wirtschaft, im Jahr 2026 Wachstumsimpulse zu erzeugen. Investitionsentscheidungen der Unternehmen, der Umgang mit Kosten sowie die Fähigkeit, sich veränderten Marktbedingungen anzupassen, werden zu Schlüsselfaktoren.
Die Wirtschaft geht mit neutraler Stimmung in das Jahr 2026 – weder Krise noch Boom
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Konjunkturumfrage ist, dass sich die Wirtschaft in einer Übergangsphase befindet, in der nach Phasen der Destabilisierung noch keine tragfähigen Grundlagen für eine nachhaltige Erholung erkennbar sind. In den meisten Sektoren bewegen sich die Indikatoren des allgemeinen Geschäftsklimas um leicht negative oder leicht positive Werte. Es handelt sich um eine Situation, in der die Unternehmen keine ausreichend starken Impulse sehen, um ihre Investitionen auszuweiten, zugleich aber keinen weiteren Rückgang ihrer Aktivität erwarten.
Dies zeigt sich unter anderem in der Dominanz neutraler Antworten im Modul zum Einfluss der aktuellen Situation auf die Investitionsbereitschaft. Im Groß- und Einzelhandel sowie im Verkehrs- und Logistiksektor liegt der Anteil neutraler Antworten bei über 69 %, und in Bauwirtschaft und Beherbergung ist er ähnlich hoch. Dies bedeutet, dass die Unternehmer von einer Stabilisierung in den kommenden Monaten ausgehen, ohne jedoch einen klaren Durchbruch zu erwarten.
In der Praxis bedeutet dies eine Wirtschaft, die sich nicht in Richtung Rezession bewegt, sondern in einer Phase moderater Abschwächung verharrt. Ein solches Szenario kann dazu beitragen, die Liquidität der Unternehmen zu sichern, fördert jedoch weder Produktivitätszuwächse noch eine Ausweitung des Kapitalstocks. Das Fehlen externer Impulse (z. B. großer Investitionsprogramme) führt dazu, dass sich die Unternehmen auf die Sicherung ihrer Marktposition konzentrieren, statt diese offensiv auszubauen.
Die Investitionen bleiben begrenzt – Unternehmen wählen Sicherheit statt Wachstum
Das Investitionsmodul liefert die eindeutigste Diagnose der Unternehmenssituation. Die Daten zeigen, dass in allen Sektoren drei Tendenzen dominieren: die Beibehaltung des bestehenden Investitionsniveaus, selektive Modernisierungsprojekte und die Einschränkung von Investitionen mit hohem Kapitalbedarf.
Im Großhandel, wo 63,4 % der Unternehmen eine Beibehaltung der Investitionen angeben, ist ein klarer Übergang von Expansions- zu Optimierungsstrategien zu erkennen. Ein ähnlicher Ansatz zeigt sich im verarbeitenden Gewerbe, wo die Unternehmen trotz schwierigerer Konjunkturlage weiterhin hohe Anteile ihrer Investitionen in Maschinen und technische Ausrüstung lenken. Ziel ist es, Produktivitätsrückgängen vorzubeugen, nicht die Kapazitäten auszuweiten.
Der passivste Investitionssektor bleibt die Beherbergungs- und Gastronomiebranche, in der über 33 % der Unternehmen von einem Rückgang der Investitionen ausgehen und 44,3 % überhaupt keine Investitionspläne haben. Trotz der verbesserten aktuellen Lage sieht dieser Sektor derzeit keine ausreichenden Voraussetzungen für die Umsetzung von Entwicklungsprojekten.
Aus makroökonomischer Sicht bedeutet dies, dass die privaten Investitionen im Jahr 2026 nur langsam – wenn überhaupt – zulegen werden. Das Wirtschaftswachstum wird sich stärker auf Konsum und Export stützen müssen als auf einen kräftigen Anstieg der Investitionsausgaben. Gleichzeitig gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Unternehmen sich auf einen massiven Investitionseinbruch vorbereiten – die Investitionen bleiben zwar begrenzt, dürften aber auf einem stabilen Niveau verharren.
Die stärksten Sektoren bleiben Finanzen sowie Information und Kommunikation – sie stabilisieren die Wirtschaft
Der Wert von +24,4 für den Finanzsektor zeigt deutlich, dass dieser Bereich 2026 eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Stabilität spielen wird. Die diagnostische Komponente von 42,7 zählt zu den höchsten im gesamten Bericht und verweist auf sehr robuste Fundamentaldaten: eine solide Kapitalbasis, steigendes Interesse an Finanzdienstleistungen und eine hohe Nachfrage nach Versicherungsprodukten.
Der Sektor Information und Kommunikation bleibt mit +9,4 – trotz leichter Abschwächung – einer der widerstandsfähigsten Teile der Wirtschaft. Die Unternehmen planen weiterhin Investitionen in Technologien, Digitalisierung und Infrastruktur. Das bedeutet, dass die IT- und Kommunikationsbranche ihre Dienstleistungen weiter modernisieren wird, auch wenn die Marktdynamik nicht mehr so stark ist wie in den Jahren zuvor.
Beide Sektoren sind in hohem Maße von traditionellen Konjunkturzyklen entkoppelt, was sie in einer Phase der Stagnation zu Stabilitätsankern für die Gesamtwirtschaft macht. Ihre Investitionen, die hauptsächlich auf Technologien und IT-Systeme ausgerichtet sind, können zudem Nachfrage in anderen Sektoren anregen, insbesondere im Bereich Automatisierung, Cloud-Dienste und digitale Lösungen.
Das verarbeitende Gewerbe braucht einen Kostenimpuls – ohne ihn bleibt die Erholung aus
Das verarbeitende Gewerbe verbleibt bei einem niedrigen Gleichgewichtsniveau von –7,9, was darauf hindeutet, dass die Unternehmen weiterhin unter dem Druck hoher Energie-, Lohn- und Materialkosten stehen. Obwohl ein Teil der Unternehmen seine Investitionen erhöht (23,5 %), bedeutet dies noch keinen breit angelegten Aufschwung, sondern vor allem notwendige Modernisierungen zur Sicherung der Produktionskontinuität.
In der derzeitigen Verfassung wird die Industrie ohne eine Verbesserung der Kostenbedingungen keinen starken Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten können. Für das Jahr 2026 werden daher zwei Faktoren entscheidend sein: die Stabilisierung der Energiepreise und eine berechenbare Regulierungspolitik gegenüber produzierenden Unternehmen. Fehlen diese Rahmenbedingungen, bleibt der Sektor in der Stagnation, und einige Unternehmen werden eine Einschränkung der Produktion oder die Verschiebung von Kapazitätserweiterungen in Erwägung ziehen.
Die Bauwirtschaft braucht Vertrauen, bevor sie wieder investiert
Das schwache Ergebnis der Bauwirtschaft (–8,9) zeigt, dass der Sektor eine Stabilisierung der Auftragslage und ein berechenbares finanzielles Umfeld benötigt. Solange die Unternehmen keine Sicherheit über das Volumen öffentlicher Aufträge, die Entwicklung der Materialpreise und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften haben, werden die Investitionen in diesem Bereich beschränkt bleiben.
Die Bauwirtschaft reagiert besonders sensibel auf Kostenveränderungen und Finanzierungskonditionen. Politische Maßnahmen, die die Kapitalkosten senken oder die Investitionsnachfrage anregen (z. B. Infrastrukturprogramme), könnten einen Impuls für eine Erholung liefern. Bleiben solche Impulse aus, verharrt der Sektor in einer defensiven Position und beschränkt sich auf Ersatz- und Erhaltungsinvestitionen.
Handel und Verkehr werden im Schatten einer stabilisierten Nachfrage agieren
Der Groß- und Einzelhandel sowie der Verkehrssektor bilden das operative Rückgrat der Wirtschaft. Die Stabilisierung der Indikatoren in diesen Branchen bedeutet, dass die Nachfrage – obwohl sie nicht dynamisch wächst – auf einem Niveau bleibt, das ausreicht, um die Liquidität der Unternehmen zu sichern.
Mit Blick auf 2026 dürften Handel und Verkehr zwar nicht zu starken Wachstumstreibern werden, jedoch als Puffer im Konjunkturzyklus fungieren. Ihre Investitionen, die sich auf Logistik, IT und Prozessoptimierung konzentrieren, werden für die Effizienzsteigerung des gesamten Wirtschaftssystems wichtig sein, ohne jedoch einen eindeutig expansiven Charakter zu haben.
Eine vorsichtige Wirtschaft bedeutet vorsichtige Verbraucher – mit Folgen für alle Sektoren
Auch wenn die GUS-Umfrage das Verbrauchervertrauen nicht direkt misst, deuten die Ergebnisse für den Einzelhandel, die Gastronomie und Teile des Dienstleistungssektors darauf hin, dass die Haushalte weiterhin vorsichtig agieren. Dies prägt wiederum das Verhalten der Unternehmen, die bei einer stabilen, aber nicht stark anziehenden Nachfrage keine aggressiven Investitionsentscheidungen treffen.
Im Jahr 2026 werden die Konsumentscheidungen der privaten Haushalte zu den wichtigsten Faktoren für die Wirtschaftsdynamik zählen. Steigt der Konsum, werden Handel und Dienstleistungen größere Bestellvolumina generieren, was sich positiv auf Industrie und Verkehr auswirkt. Ohne eine Verbesserung des Verbrauchervertrauens wird es schwer sein, von einer spürbaren Konjunkturbelebung zu sprechen.
2026 wird ein Jahr selektiven Wachstums – kein breit angelegter Aufschwung
Die Analyse der November-Konjunktur zeigt eindeutig, dass die polnische Wirtschaft das neue Jahr ohne klare Signale eines breit angelegten Aufschwungs betritt. Stattdessen ist am ehesten ein Szenario selektiven Wachstums zu erwarten, in dem starke Sektoren die Wirtschaft voranziehen, während schwächere sie eher stabilisieren als antreiben.
Die stärksten Sektoren 2026:
Finanzen, Information und Kommunikation, ausgewählte Dienstleistungsbereiche.
Stabilisierende Sektoren:
Handel, Verkehr, Teile des verarbeitenden Gewerbes.
Bremssende Sektoren:
Bauwirtschaft sowie Beherbergung und Gastronomie (in Bezug auf Investitionen).
Das Wachstumstempo im Jahr 2026 wird vor allem davon abhängen,
– wie schnell der Kostendruck nachlässt,
– wie sich die Lage in der europäischen Industrie entwickelt,
– welche Entscheidungen zur Finanzierung öffentlicher Investitionen getroffen werden,
– wie sich die Energiepreise stabilisieren,
– und wie dynamisch sich der private Konsum entwickelt.
Die November-Daten des Statistischen Hauptamtes zeigen, dass der Übergang in das Jahr 2026 von den Unternehmen eine ausgewogene, nicht aggressive, aber auf Modernisierung und Stärkung der operativen Widerstandsfähigkeit ausgerichtete Strategie verlangt. Unternehmen, die bei ihren Investitionen vorsichtig bleiben, ohne Optimierungsprozesse zu stoppen, werden besser positioniert sein, sobald deutlichere Wachstumsimpulse einsetzen.






