Die GUS-Daten für Oktober 2025 sowie den gesamten Zeitraum von Januar bis Oktober zeigen eine deutliche Transformation der polnischen Industrie. Einerseits beobachten wir eine Rezession in der Bekleidungsbranche, der Automobilindustrie und bei landwirtschaftlichen Maschinen. Andererseits entwickeln sich die Infrastruktur-, Chemie- und Telekommunikationsbranchen dynamisch. Die polnische Produktion verschiebt sich in Richtung höherer Wertschöpfung, technologieorientierter Exporte und von Produkten, die mit der Modernisierung des Landes verbunden sind.
Im Oktober überwogen die Rückgänge – die hergestellte Produktion ging in 250 Positionen j/j zurück, während sie in 215 Positionen zunahm, was einen Überhang negativer Ergebnisse bedeutet. Bei der verkauften Produktion war der Überhang der Rückgänge ebenfalls deutlich: 137 Positionen verzeichneten einen Anstieg j/j, während 175 Positionen j/j zurückgingen. Diese Daten bestätigen die Dominanz dämpfender Faktoren für die industrielle Aktivität, bei gleichzeitigem Bestehen einiger sehr starker Wachstumsnischen. Die Nichtverfügbarkeit von Daten für einen Teil der Haushaltsgeräte (Geschirrspüler, Waschmaschinen, Herde, Pumpen usw.) aufgrund unvollständiger Berichte erschwert zusätzlich die Analyse einiger Segmente.
Inhaltsverzeichnis
- 1. HERGESTELLTE PRODUKTION – ÜBERSICHT DER MONATSDATEN
- 2. HERGESTELLTE PRODUKTION – MONATLICHE DYNAMIK (M/M)
- 3. VERKAUFTE PRODUKTION – MONATSDATEN J/J
- 4. VERKAUFTE PRODUKTION – MONATLICHE VERÄNDERUNGEN M/M
- 5. HERGESTELLTE PRODUKTION – KUMULIERTE TRENDS (I–X 2025)
- 6. VERKAUFTE PRODUKTION – KUMULIERTE TRENDS (I–X 2025)
1. HERGESTELLTE PRODUKTION – ÜBERSICHT DER MONATSDATEN
Die hergestellte Produktion stand unter starkem Nachfrage- und Saisondruck. Über 52 % der Kategorien verzeichneten einen Rückgang j/j, was eindeutig auf eine Schwächung vieler Industriebranchen hindeutet. Gleichzeitig wurde in 215 Positionen ein Anstieg registriert, was eine große Spannweite der konjunkturellen Lage zwischen den Branchen zeigt. Die höchsten Zuwächse entfielen auf technische Chemie, Infrastruktur, verarbeitete Lebensmittel und technologieorientierte Erzeugnisse.
1.1 HÖCHSTE ZUWÄCHSE DER HERGESTELLTEN PRODUKTION J/J
1.1.1 Chemie und chemische Erzeugnisse
Den größten Zuwachs im gesamten Bericht verzeichnete gerösteter koffeinfreier Kaffee, der eine Dynamik von +88,7 % j/j erreichte. Dieses Produkt hat einen hohen Exportanteil, und die Daten deuten auf eine deutlich gesteigerte Produktion im Vergleich zum Vorjahr hin. Einen ähnlich hohen Zuwachs verzeichneten Polyurethanklebstoffe, deren Dynamik +88,0 % j/j betrug, was auf eine sehr starke Nachfrage seitens der Möbel-, Bau- und Automobilindustrie hinweist. Das dritte Produkt mit einem der größten Zuwächse war speisesalz in Form von Steinsalz, dessen Produktion um +80,0 % j/j stieg, was auf erhöhte Bestellungen aus dem Lebensmittel- und Chemiesektor schließen lässt.
1.1.2 Infrastrukturelle und technologische Erzeugnisse
Außergewöhnlich hohe Zuwächse verzeichnete die Produktion von Gaszählern, die ein Ergebnis von +79,0 % j/j erreichten. Die Daten deuten auf eine verstärkte Umsetzung von Aufträgen für die Energiewirtschaft hin, insbesondere im Bereich der Modernisierung von Messsystemen. Die hohe Dynamik der Produktion von Glasfaserkabeln in Höhe von +62,7 % j/j bestätigt den anhaltenden Trend beim Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur, einschließlich FTTH-Projekten und der Modernisierung von Breitbandnetzen in Polen und Europa. Polen behauptet eine starke Position in der Glasfaserproduktion, was sich in den Monatsdaten widerspiegelt.
1.1.3 Lebensmittelverarbeitung
Im Lebensmittelsektor stachen Gemüsemarinaden hervor, die einen Zuwachs von +68,6 % j/j verzeichneten. Diese Kategorie weist einen hohen Exportanteil auf, und ihr hohes Wachstumstempo geht über die typische Saisonalität hinaus. Die Daten deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Gemüsekonserven gegen Ende des dritten und zu Beginn des vierten Quartals besonders stark war. Die Lebensmittelverarbeitung bestätigte ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber konjunkturellen Schwankungen.
1.2 TIEFSTE RÜCKGÄNGE DER HERGESTELLTEN PRODUKTION J/J
1.2.1 Bekleidung – das schwächste Segment der gesamten Wirtschaft
Den stärksten Rückgang verzeichnete die Produktion von Cidre mit einem Ergebnis von –93,6 % j/j, was praktisch auf einen Produktionsstopp im Vergleich zum Vorjahr hindeutet. Im Bekleidungssektor wurden sehr starke Rückgänge bei Damen- und Mädchenmänteln aus Maschenware registriert, und zwar um –69,9 % j/j, sowie bei Herren- und Jungenhemden, –63,5 % j/j. Diese Daten bestätigen den anhaltenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Konfektionsproduktion. Die Bekleidung ist zudem ein Segment, in dem ein Teil der Produktion aufgrund ausländischer Unteraufträge aus den Berichten verschwindet.
1.2.2 Landmaschinen und Agrartechnik
Die Produktion von Traktoren für die Landwirtschaft ging um –69,6 % j/j zurück und stellt damit einen der stärksten Einbrüche in der gesamten Maschinengruppe dar. Die Daten bestätigen, dass der Agrarsektor seine Investitionen im Jahr 2025 reduziert hat, was sich direkt auf die Produktion von Maschinen auswirkt. Ähnliche Ergebnisse betreffen Feldsägeräte, die ebenfalls hohe Rückgänge sowohl m/m als auch j/j verzeichneten. Die polnische Produktion von Landtechnik hat ihren Umfang deutlich eingeschränkt.
2. HERGESTELLTE PRODUKTION – MONATLICHE DYNAMIK (M/M)
Die Monatsanalyse ermöglicht die Bestimmung kurzfristiger Schwankungen von Angebot und Nachfrage. Im Oktober 2025 wurde in 294 Positionen ein Anstieg m/m registriert, während in 164 Positionen ein Rückgang verzeichnet wurde, was auf einen Überhang kurzfristiger Zuwächse hinweist.
2.1 HÖCHSTE ZUWÄCHSE M/M
Den höchsten monatlichen Zuwachs verzeichnete Butadien-1,3, das eine Dynamik von +97,0 % m/m erreichte. Es handelt sich um ein petrochemisches Produkt, das bei der Herstellung von Kunststoffen und synthetischem Gummi verwendet wird. Den zweiten Platz belegten Erdölöle, deren Produktion um 85,6 % m/m zunahm, was auf eine Intensivierung der Rohölverarbeitung oder die Umsetzung großer Aufträge hindeutet. Im Bekleidungssegment verzeichneten Damen- und Mädchenkostüme den höchsten Zuwachs mit +83,0 % m/m, was auf eine starke Saisonalität hinweist. Eine Quelle des hohen Anstiegs war zudem konzentrierter Apfelsaft mit +80,5 % m/m, im Einklang mit dem Verarbeitungszyklus.
2.2 HÖCHSTE RÜCKGÄNGE M/M
Den tiefsten monatlichen Rückgang verzeichneten Damenmäntel aus Maschenware mit –64,7 % m/m, was die Fortsetzung des negativen Trends in der Bekleidungsbranche darstellt. Einen erheblichen Rückgang gab es bei Feldsägeräten, –45,6 % m/m, sowie bei landwirtschaftlichen Traktoren, –44,4 % m/m, was die saisonale Abschwächung des Agrarsektors bestätigt. Diese Daten sind konsistent mit der langfristigen Schwäche, die in der Jahresbetrachtung sichtbar ist.
3. VERKAUFTE PRODUKTION – MONATSDATEN J/J
Bei der verkauften Produktion, die den tatsächlichen Absatz der Produkte widerspiegelt, wurde für 137 Kategorien ein Anstieg j/j und für 175 Kategorien ein Rückgang registriert. Diese Ergebnisse bestätigen die Dominanz der Rückgänge im Verkauf, auch wenn viele Kategorien sehr starke Zuwächse aufweisen.
3.1 HÖCHSTE ZUWÄCHSE IM VERKAUF J/J
Den höchsten Verkaufszuwachs verzeichneten Gemüsemarinaden mit +99,0 % j/j. Der zweitgrößte Zuwachs betraf konzentrierten Apfelsaft mit +84,6 % j/j, was eine hervorragende Saison der Obstverarbeitung bestätigt. Eine sehr hohe Dynamik wiesen zudem Maschinen für Bau- und Straßenarbeiten auf, +61,1 % j/j, was die Auswirkungen öffentlicher und kommunaler Investitionen widerspiegelt. Im Infrastruktursektor stachen Wasserzähler mit +59,9 % j/j sowie Isolierglasscheiben mit +49,2 % j/j hervor, die im energieeffizienten Bauen eine Schlüsselrolle spielen.
3.2 TIEFSTE RÜCKGÄNGE IM VERKAUF J/J
Den größten Rückgang im Verkauf verzeichnete Porzellangeschirr mit –43,5 % j/j, was auf eine schwache Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern hindeutet. Einen deutlichen Rückgang verzeichnete auch der Verkauf von Rotationskompressoren, –43,4 % j/j, was auf eingeschränkte Industrieinvestitionen schließen lässt. Im Holzsektor kam es zu einem starken Rückgang bei Holzböden für Mosaikparkett, –40,4 % j/j, während in der Lebensmittelverarbeitung Essig einen deutlichen Rückgang verzeichnete, –40,1 % j/j. Diese Kategorien bestätigen eine breite Abschwächung der Nachfrage.
4. VERKAUFTE PRODUKTION – MONATLICHE VERÄNDERUNGEN M/M
Ein Anstieg m/m wurde in 191 Positionen registriert, ein Rückgang in 121 Positionen, was trotz der in den Jahresdaten dominierenden Rückgänge auf einen Überhang der Zuwächse hindeutet.
Die höchsten Zuwächse m/m verzeichneten:
- Güterwaggons, +94,6 % m/m
- Phosphordünger, +69,5 % m/m
- Kalidünger, +60,7 % m/m
- Natriumhydroxid in wässriger Lösung, +56,0 % m/m
Die tiefsten Rückgänge m/m betrafen:
- Damenmäntel aus Maschenware, –76,0 % m/m
- alkoholfreies Bier, –53,1 % m/m
- Feldsägeräte, –48,7 % m/m
- Essige, –37,9 % m/m
5. HERGESTELLTE PRODUKTION – KUMULIERTE TRENDS (I–X 2025)
Die kumulierte Analyse reduziert den Einfluss der Saisonalität. Im betrachteten Zeitraum wurde ein kumulierter Anstieg in 246 Positionen und ein Rückgang in 221 Positionen verzeichnet.
5.1 HÖCHSTE KUMULIERTEN ZUWÄCHSE
Die höchsten Zuwächse verzeichneten:
- Feuerwehrfahrzeuge, +69,9 % j/j
- Fahrzeuge für den öffentlichen Personentransport, +68,9 % j/j
- Polyurethanklebstoffe, +66,7 % j/j
- Glasfaserkabel, +66,0 % j/j
- Keramische Firstziegel, +64,8 % j/j
- fertige Fischgerichte, +61,7 % j/j
5.2 TIEFSTE KUMULIERTEN RÜCKGÄNGE
Die größten Rückgänge umfassten:
- raffiniertes Sonnenblumenöl, –66,7 % j/j
- Damenbekleidung (Blusen und Hemden), –61,9 % j/j
- Hosen für Herren und Jungen, –58,8 % j/j
- Personenkraftwagen, –56,0 % j/j
- Drehmaschinen für Metall, –45,8 % j/j
6. VERKAUFTE PRODUKTION – KUMULIERTE TRENDS (I–X 2025)
Die höchsten kumulierten Zuwächse verzeichneten:
- Fahrzeuge des öffentlichen Personentransports, +71,4 % j/j
- Polyurethanklebstoffe, +68,4 % j/j
- aufgearbeitete Rinderhäute, +42,1 % j/j
- überzogene Schokoladenbonbons, +40,6 % j/j
- gebrannte Ziegel aus Lehm, +39,9 % j/j
Die tiefsten Rückgänge:
- Personenkraftwagen, –56,1 % j/j
- Damenbekleidung (Shorts, Latzhosen, Hosen), –48,1 % j/j
- Holzbodenplatten, –33,5 % j/j
- Stadt- und Trekkingfahrräder, –23,8 % j/j
Die Daten bestätigen, dass sich die polnische Industrie in Richtung höher entwickelter Technologien und von Produkten verschiebt, die beim Aufbau von Infrastruktur sowie in der chemischen Industrie eingesetzt werden.







