Die März-Umfrage des polnischen Statistikamtes GUS zeigt, dass sich die Stimmung unter den Unternehmen in der polnischen Wirtschaft deutlich verbessert hat, auch wenn das Gesamtbild weiterhin uneinheitlich bleibt. Bessere Einschätzungen der Konjunktur waren vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Großhandel, in Information und Kommunikation sowie in Teilen des Dienstleistungssektors zu beobachten. Gleichzeitig stehen der Einzelhandel und der Transportsektor weiterhin unter Druck durch eine schwache Nachfrage, eine sich verschlechternde Finanzlage und vorsichtige Prognosen für die kommenden Monate.
Im März 2026 stieg der regionale Indikator des allgemeinen Geschäftsklimas, der sogenannte R-BCI, in den meisten analysierten Bereichen und in mindestens der Hälfte der Woiwodschaften. Im Jahresvergleich war die Verbesserung besonders deutlich im verarbeitenden Gewerbe, im Großhandel, im Bereich Verkehr und Lagerei sowie in Information und Kommunikation. Auch der Vergleich mit Februar zeigt, dass die Unternehmer das wirtschaftliche Umfeld etwas positiver beurteilten als noch einen Monat zuvor.
Dennoch ist dies keine Geschichte einer gleichmäßigen Erholung der gesamten Wirtschaft. GUS zeigt vielmehr eine Wirtschaft mit „zwei Geschwindigkeiten“. Auf der einen Seite stehen Sektoren, in denen positive Einschätzungen der aktuellen Lage überwiegen und sich die Erwartungen für die kommenden drei Monate verbessern. Auf der anderen Seite bleiben Branchen, die weiterhin unter hoher Unsicherheit, Kostendruck und schwächeren Umsätzen arbeiten.
Besonders positiv hervor stachen Beherbergung und Gastronomie. Gerade in diesem Teil der Wirtschaft beurteilten die Unternehmen die Konjunktur am optimistischsten. Ein positiver R-BCI wurde dort in 12 Woiwodschaften verzeichnet, die höchsten Werte entfielen auf die Woiwodschaften Podlachien, Masowien und Karpatenvorland. Wichtig ist, dass die besseren Einschätzungen der aktuellen Lage auch mit günstigeren Prognosen einhergehen. Unternehmen dieses Sektors erwarten sowohl eine Verbesserung ihrer allgemeinen als auch ihrer finanziellen Lage sowie eine steigende Nachfrage nach ihren Dienstleistungen.
Ein sehr positives Bild ergibt sich auch im Sektor Information und Kommunikation. In 11 Woiwodschaften lag der R-BCI im positiven Bereich, besonders hohe Werte wurden in Heiligkreuz, Podlachien und Kujawien-Pommern verzeichnet. Das ist ein wichtiges Signal, denn es zeigt, dass wissensbasierte und digitale Dienstleistungssegmente gegenüber der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit weiterhin relativ widerstandsfähig bleiben. Gleichzeitig ist zu beachten, dass die regionalen Unterschiede hier weiterhin sehr groß sind.
Auch der Großhandel präsentiert sich positiv. In den meisten Woiwodschaften verbesserten sich die Einschätzungen sowohl im Jahres- als auch im Monatsvergleich, und die Unternehmer rechnen häufiger mit steigenden Bestellungen bei Lieferanten sowie besseren Verkaufszahlen. Das kann eines der nützlicheren Signale für die Wirtschaft sein, weil der Großhandel gewöhnlich recht schnell auf Veränderungen in den Lieferketten und in der Nachfrage anderer Unternehmen reagiert.
Im verarbeitenden Gewerbe ist das Bild ebenfalls besser als vor einem Jahr, bleibt aber weiterhin uneinheitlich. In neun Woiwodschaften wurde eine Verbesserung verzeichnet, in acht lag der Indikator im positiven Bereich. Am optimistischsten waren Masowien, Kleinpolen und das Karpatenvorland. Die Produzenten erwarten häufiger steigende Aufträge und eine höhere Produktion, was darauf hindeuten könnte, dass sich die Industrie allmählich aus ihrer Schwächephase herausarbeitet.
Deutlich schwächer bleibt der Einzelhandel. Genau hier hielten sich neben Verkehr und Lagerei in den meisten Woiwodschaften negative Indikatorwerte. Trotz einer Verbesserung gegenüber Februar und März des Vorjahres beurteilen Einzelhändler die aktuelle Lage ihrer Unternehmen weiterhin meist negativ. Sichtbar sind auch eine sich verschlechternde finanzielle Situation, überhöhte Lagerbestände und rückläufige Umsätze.
Noch vorsichtiger muss der Bereich Verkehr und Lagerei bewertet werden. Zwar kam es in vielen Regionen im Jahresvergleich zu einer Verbesserung, doch in der Mehrheit der Woiwodschaften bleibt der Indikator weiterhin unter null. Die Unternehmen beurteilen die aktuelle Nachfrage, den Absatz ihrer Dienstleistungen und ihre eigene Finanzlage negativ, und die Prognosen für die kommenden Monate sind größtenteils pessimistisch.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Geschäftsbarrieren. Im März dominierten erneut hohe Arbeitskosten, insbesondere in Beherbergung und Gastronomie sowie im Baugewerbe. Als zweithäufigste Einschränkung wurde die Unsicherheit über die allgemeine wirtschaftliche Lage genannt, die vor allem im Transport und im Großhandel stark zu spüren ist. Hohe Abgaben zugunsten des Staatshaushalts bleiben wiederum eines der Hauptprobleme für das Baugewerbe und Teile des Dienstleistungssektors.
Im Baugewerbe selbst ist die Lage uneindeutig. Die Hälfte der Woiwodschaften verzeichnet positive Konjunkturwerte, und im Monatsvergleich erfasste die Verbesserung einen erheblichen Teil der Regionen. Andererseits melden die Unternehmen weiterhin einen Rückgang der Aufträge und der Produktion und weisen zudem darauf hin, dass das wirtschaftliche Umfeld nur schwer vorhersehbar ist.
Eine interessante Ergänzung liefern die Antworten zum Thema Löhne. In allen untersuchten Bereichen bleibt die finanzielle Lage des Unternehmens der wichtigste Faktor, der das Lohnniveau beeinflusst. Erst danach folgen die Notwendigkeit, den realen Wert der Löhne zu erhalten, sowie die Aufrechterhaltung wettbewerbsfähiger Vergütungen.
Aus Sicht der Wirtschaft ist die wichtigste Schlussfolgerung, dass die polnische Wirtschaft in eine Phase moderater Stimmungsverbesserung eingetreten ist, aber noch nicht in eine Phase einer breiten und gleichmäßigen Beschleunigung. Es gibt Sektoren, die wieder an Dynamik gewinnen, aber auch solche, die weiterhin defensiv agieren.
Für Unternehmen bedeutet das eines: Das Jahr 2026 wird eine Phase selektiver Belebung sein. Im Vorteil werden jene Unternehmen sein, die kostenflexibel bleiben, schnell auf Nachfrageveränderungen reagieren können und ihre Rentabilität trotz anhaltenden Kostendrucks sichern.
Quelle: eigene Ausarbeitung auf Grundlage von Daten des polnischen Statistikamtes GUS




